| 2010-05-12: ZDF |
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| Geschrieben von: André Kahle |
| Donnerstag, den 13. Mai 2010 um 11:25 Uhr |
Atlético-Fieber in OstwestfalenAndré Kahle ist Präsident des erstenAtlético-Madrid-Fanklubs in Deutschland 14 Jahre nach dem letzten Titelgewinn greift Atlético Madrid im Europa-League-Finale gegen Fulham wieder nach einer Trophäe. Der Populärität der Rot-Weißen hat die Mittelmäßigkeit nicht geschadet - auch ein Fanklub aus Deutschland ist im Finalfieber. "Das lasse ich mir doch nicht entgehen", antwortet André Kahle auf die Frage, ob er denn in Hamburg dabei sein werde. Der Student aus Paderborn ist Gründer und Präsident des Pena Atletica Centuria Germana, des ersten Atlético-Madrid-Fanklubs in Deutschland. Seine Liebe zu den "Colchoneros", den "Matratzenmachern", wie Atlético wegen seiner rot-weiß gestreiften Trikots genannt wird, hat Kahle 2003 mehr oder weniger zufällig entdeckt. Heute ist sein Hobby ab und an ein Full-Time-Job. Acht-Stunden-Tag für den Verein "Seit die Endspiel-Teilnahme feststeht, bin ich sieben bis acht Stunden am Tag mit Atlético beschäftigt", berichtet Kahle. Neben der Pflege des eigenen Internetauftritts und der Planung des großen Finaltages fungiert der gebürtige Hannoveraner auch als Kontakt- und Bindestelle zwischen anderen europäischen Fanklubs und dem Verein. Die Klub-Verantwortlichen nehmen die Unterstützung aus Deutschland gerne an und lassen sich bei kleinen Gefälligkeiten auch nicht lumpen. Wann immer Kahle zu Heimspielen in Madrid weilt, wird er vom Verein eingeladen und großzügig mit Karten versorgt. Sein Engagement hat ihm und den anderen "verrückten Deutschen" zudem einen gewissen Bekanntheitsgrad eingebracht. "Einmal wurden wir schon am Flughafen von Reportern erwartet", erzählt er. Kleinere Radio-Interviews stehen bei fast jedem Besuch auf dem Programm. Kahle und Co. kommen auch relativ problemlos in Kontakt zu den Spielern. Und auf dem Trainigsgelände des Klubs geht der Paderborner ein und aus. Beim Jubiläum vom Virus gepackt Vor acht Jahren kam er im Rahmen eines Online-Spiels zum ersten Mal mit Atlético in Kontakt. "Damals wusste ich von dem Klub überhaupt nichts", erinnert sich Kahle. Doch nur wenig später lief die Atlético-Hymne in seinem Zimmer auf Dauerrotation und Kahle tauchte allmählich ein in die Welt der "Rojiblancos". 2003 wollte er das Team dann auch persönlich im Stadion sehen und so trug er beim 100-jährigen Klubjubiläum gemeinsam mit 120.000 Fans eine 1,2 Kilometer lange Fahne durch die Straßen von Madrid zum Stadion Vicente Calderon. "Wer dabei war, den hatte der Atlético-Virus gepackt", beschreibt er die Geburtstunde des Pena Atletica Centuria Germana. Am nächsten Tag wurde der Fanklub beim Verein offiziell eingetragen. Warten auf den Derby-Sieg Inzwischen gibt es knapp 40 Mitglieder, die seit dem Gründungsjahr neben einzelnen Partien gegen Barcelona und Mallorca bei allen Derbys gegen Real Madrid vor Ort waren. Einen Sieg konnten die Deutschen dabei noch nicht bejubeln, denn der letzte Erfolg im Stadtduell liegt zehn Jahre zurück. "Wir werden auf jeden Fall so lange hinfahren, bis wir wieder ein Derby gewonnen haben", sagt Kahle trotzig. Dass ein Anhänger von Atlético leiden können muss, hat er längst verinnerlicht. Denn neben der bitteren Derby-Bilanz hat der Verein seinen Fans in den letzten Jahren allerhand zugemutet. Einen Titel durfte der neunfache Meister seit dem Gewinn des Doubles 1996 nicht mehr feiern. 2000 fand man sich gar in der zweiten Liga wieder, wo man direkt noch ein zweites Jahr dranhängen musste. Auch nach dem Wiederaufstieg reihte sich zunächst eine Enttäuschung an die nächste. Konstanz war ein Fremdwort. Nach großen Siegen war die nächste unfassbare Pleite garantiert nicht weit. Popularität ist ungebrochen Die Anhänger strömen dennoch unentwegt ins Vicente Calderon. Direkt nach dem letzten Abstieg verbuchte der Klub einen Dauerkartenrekord und verkauft seitdem pro Saison fast 50.000 Jahresabos. "In Madrid ist Atlético der Verein des Volkes", erklärt Kahle. Und die Anhängerschaft lechze nach Jahren der Mittelmäßigkeit nach einem Titel. "Mit dem Sieg im Europapokal wären wir international die Nummer eins unter den spanischen Klubs." Als ob das nicht schon Ansporn genug wäre, kann die Mannschaft Ende Mai im nationalen Pokalfinale gegen den FC Sevilla sogar noch einen zweiten Triumph folgen lassen. Sie kann natürlich auch grandios scheitern und wäre nach einer durchwachsenen Liga-Bilanz - derzeit belegt das Team den neunten Platz - im nächsten Jahr international wieder Zuschauer. Dessen ist sich Kahle durchaus bewusst und hält sich mit Prognosen lieber zurück. "Bei Atlético muss man immer mit allem rechnen." Gerade das mache aber auch die Faszination des Vereins aus. In Spanien und in Ostwestfalen.
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